Archive for the 'General' Category

Bagatellgrenze für Raubkopien?

Dass das Spielchen mit der Medienindustrie vs. Filesharing auf Dauer so nicht weitergehen würde, war mir ja schon länger klar. Jetzt bekommt die Sache aber offenbar eine völlig neue Wendung.
Durch die Massenanzeigen einiger Vertreter der Film- und Musikindustrie sind einige Staatsanwaltschaften erwartungsgemäß zum Erliegen gekommen. Mehr als 20.000 Anzeigen aufgrund von Filesharing gab es, und die Staatsanwaltschaften wären wohl auf Monate, wenn nicht sogar Jahre hinaus mit nichts anderem mehr beschäftigt.

Klar, denn Staatsanwaltschaften sind nur ausschließlich dafür da, um der Medienindustrie als Büttel zu dienen. Es gibt auch echte Verbrecher da draußen. Die logische Folge: Staatsanwaltschaften fordern eine Bagatellgrenze im Urheberrecht für Tauschbörsen-Nutzer.

Die Ermittlungsbehörden unterstützen damit einen Vorstoß von Bundesjustizministerin Brigitte Zypries. Die SPD-Politikerin hatte in ihrer Vorlage für den umstrittenen Kabinettsentwurf der Bundesregierung zur zweiten Reformstufe des Urheberrechtsgesetzes einen entsprechenden Gesetzesvorbehalt eingebaut. Demnach sollten rechtswidrige Vervielfältigungen straffrei bleiben, wenn sie “nur in geringer Zahl und ausschließlich zum eigenen privaten Gebrauch” hergestellt werden. Vor den Neuwahlen hatte die Bundesregierung den intern umstrittenen Entwurf zwar nicht mehr verabschiedet, Zypries ist jedoch auch in der geplanten Großen Koalition als Justizministerin vorgesehen, sodass der Zwist um den so genannten “2. Korb” der Urheberrechtsreform schon jetzt wieder heftiger wird.

Danke, liebe Medienindustrie. Danke.

[via heise.de]

Nietzsche

Es ist dunkel. Gott steht vor mir. Was habe ich getan? Ich höre nur ein schweres, flüssiges Röcheln. Ich blicke auf das lange, breite Fleischermesser in meiner Hand. War ich das? Ich muß es gewesen sein, denn sonst ist Niemand hier.
Blut tropft von der Spitze der Klinge auf den Boden. Ich wende Gott den Rücken zu, der auf die Knie geht, und sich an den Hals greift.
“Das wars wohl, Gott.” flüstere ich mir zu.

Ich gehe weiter von ihm weg. Das Licht geht an. Die Bühne ist von gleißendem Licht erfüllt.
Tosender Applaus umgibt mich trotzdem. Ich kann hören, wie Gott auf die Bühne aufklatscht.
Gott ist tot, und ich habe ihn getötet.

Ich schaue in die Menge. Sehe Leute in vereinzelten Gruppen, manche haben einen großen Mann mit Rauschebart neben sich sitzen.

Auf einmal eine Stimme. Ein Mann mit einem Riesenschnauzer spricht in ein Mikro.
“Danke an Sebastian für die beeindruckende Vorstellung!”
Plötzlich - die Hymne ertönt.
“Die Maschine, die Maschine, die hat immer Recht!”

Ich gehe ab. Lege mein Messer in einen Korb neben der Bühne. Ich lächele.
Danke, Gott.

sternshortnews/ shortnews entzaubert - die Hintergründe des GoNamic Projekts

Bitte Beachten:
die unten aufgeführten Informationen stammen aus dem Jahr 2005 und sind inzwischen möglicherweise nicht mehr aktuell.
Weitergehende Informationen sind zu finden
* In den Kommentaren zu diesem Eintrag
* In weiteren Blogeinträgen zum Thema Shortnews

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit.
NetReaper 15.02.2008

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Ich persönlich kenne shortnews schon ziemlich lange. Als sie mit dem Stern noch nichts am Hut hatten, und als die Firma dahinter noch shortnews.com GmbH hieß. Kennen gelernt hatte ich shortnews seinerzeit noch über das legendäre mp3hitz, das war noch zu Zeiten bevor es google gab. Zu den Zeiten gab es noch keine P2P Tauschbörsen, und MP3s bekam man über Geocities-Seiten. Zu der Zeit war auch das Shortnews-Design noch ein ganz anderes. Wer es nochmal sehen will, sollte sich mal shortnews.com anschauen, die englisch/amerikanische Variante von Shortnews, dort existiert das alte Design noch.
Rein technisch gesehen habe ich in den Foren von Shortnews.de meine Unschuld verloren. Man könnte vielleicht sagen, dass ich deswegen zu so einem Zyniker geworden bin ;-) Dafür habe ich im Rückblick ehrlich zu danken, aber dazu später mehr.

Wie funktioniert Shortnews?

Zu einer Zeit wie damals Ender der 90er, als es noch keine Weblogs, keine RSS-Feeds, etc. gab, war es manchmal für einige Leute recht umständlich sich die News aus verschiedenen Quellen selbst herauszusuchen, um auf dem aktuellsten Stand zu bleiben. Shortnews sollte diese Lücke mit folgender Idee schließen:
Man läßt die User die News schreiben und mit drei Mal 250 Zeichen zusammenfassen, und zwar unter der Angabe einer Quelle. Dabei sollte es natürlich keine Urheberrechtsverletzungen geben, also muss die News umformuliert werden. Dann gibt der User die Kategorie(n) plus Unterkategorien an, zu der die News gehört (z.B. “Politik” –> “Inland” –> “Kommunen”).
Anschließend schaut ein studentischer Mitarbeiter oder ein User mit Sonderrechten sich die News nochmal an, und “entläßt” sie in die “freie Wildbahn”. Gibt es etwas zu beanstanden, wird die Nachricht nochmal an den User zurückgeschickt für Korrekturen.

Der gewünschte Effekt: Lange, umschweifende News werden kurz zusammengefasst, und die Leser/Nutzer können sich die originale News anschauen. Hat der Nachrichtenschreiber seine Sache gut gemacht, oder ist die News interessant, dürfen gute Bewertungen verteilt werden, für inhaltliche Fehler und grauenhafte Rechtschreibung, darf man schlechte Bewertungen verteilen. Wie es beliebt.
Gute, beliebte News landen so irgendwann auf der Startseite. Der Verfasser erhält dadurch Punkte und bei genug Fleiß auch täglich begrenzte Bonuspunkte (sog. Shorties), die er später zu Preisen (Handykarten, T-Shirts, etc.) einlösen kann.

Die “Big Brother”-Effekt

Da durch Visits und Bewertungen News an die Spitze durchgereicht werden, kommt es zu einem “Big Brother”-Effekt. Da Sensationsmeldungen, Meldungen von Katastrophen, Unfällen, Kindermorden, etc. besonders viele Klicks einfahren, sieht auch dementsprechend die Qualität der News aus. Zu der Zeit, als die erste “Big Brother” Staffel besonders aktuell war, wurde Shortnews von formal korrekten aber total inhaltslosen “Big Brother” News überschwemmt.
Vereinfacht kann man sagen: da die redaktionelle Kontrolle (qualitativ) durch die User vorgenmmen wird, rauscht die Qualität dahin, wo der Pöbel sie führt: in den Keller.
Das Niveauproblem von shortnews ist strukturell bedingt, und ließe sich durch Kontrolle des Betreibers nur äußerst schwer in den Griff kriegen. Dies ist aber wohl gar nicht beabsichtigt, was deutlich wird wenn man sich die Zielgruppe der News und des Tickers anschaut. So ist der Ticker hauptsächlich auf Filesharingseiten, Foren und zweifelhaften “Hacker”-Seiten zu finden. Fand der Newsticker früher bei mp3hitz/charthitz seinen Einsatz, so sieht man ihn heute auf Seiten wie Goldesel, die - so teilten sie mir auf Anfrage mit - sogar Geld für den Einsatz des Newstickers erhalten.

Wahnvorstellungen, Hetze, Ausraster

Die Hetze in den Newsforen und teilweise sogar in den News ist ein echtes Problem bei shortnews. Offenbar scheint eine ganz bestimmte Sorte Troll sich von shortnews angezogen zu fühlen. Das merkt man auf der einen Seite an News, in denen es um Ausländer geht, aber auch bei typischen Reizthemen wie Kinderpornographie, Kindesmißbrauch und Massenmord. Also alles, was bei shortnews die Top-News darstellen. Der User, der das Glück hat, eine solche News quasi-exklusiv als Erster einzuliefern, darf sich freuen, wird er doch unter Garantie eine Menge Punkte erhalten.
Das, was in nicht wenigen Newsforen an gewaltverherrlichenden, perversen Kommentaren abgelassen wird, ist garantiert nicht für Kinder geeignet. Wenn es zum Beispiel um detaillierte Beschreibungen darum geht, wie der Penis eines Kinderschänders oder sogar nur Pädophilen “in Streifen” geschnitten, “gehächselt”, “ihm selbst zum Fraß” vorgeworfen werden soll (natürlich ohne Betäubung, Ehrensache), dann ist das kaum noch erträglich. Das alleine wäre noch lange nicht so schlimm, wenn die Administration von shortnews Beschwerden über solche Kommentare nicht geflissentlich ignorieren würde. Selbst auf Hinweise zu der entsprechenden Gewaltverherrlichung kommt die Maschinerie von shortnews nur langsam oder gar nicht in Gang. Statt dessen scheint die Administration Beschwerden eher als störend anzusehen, dementsprechend ist der Umgang auf solche Beschwerden.

Betrug am User und Unregelmäßigkeiten

Ein weiterer Grund, die Plattform kritisch zu sehen, sind Unregelmäßigkeiten bei der Ausschüttung der “Shorties”, also der erwirtschafteten Bonuspunkte, die für die User bares Geld wert waren. Während die meisten User ihre “Shorties” jeweils direkt z.B. in Handyguthaben einlösten, sparten einige ihre Shorties auf, um ihre Shorties später für eine Playstation oder etwas ähnliches einzulösen. Etwas “großes” eben.
Dummerweise entschied die Führungsriege von shortnews anders, in dem sie von einem Tag auf den anderen den Wert der Shorties halbierte. Inflation um 100%, die einlösbaren Preise kosteten auf einmal das doppelte.
Und als ob das noch nicht genug gewesen wäre, wurde kurz darauf bekannt, dass einer der Moderatoren davon im Vorfeld Wind bekommen hatte, und seine Shorties vor der Preisverdopplung noch zum alten Kurs einlöste. An der Börse nennt man sowas Insidergeschäfte.
Der User hatte das einfach so hinzunehmen, denn ihm gehörten die Preise ja noch nicht. Diejenigen, die ihre Shorties aufgespart hatten, schauten in die Röhre, sie hatten effektiv nur noch halb so viel in der Tasche.

Weitere GoNamic Projekte

Offenbar reichte das Projekt Shortnews.de nie zur Kostendeckung des Unternehmens aus, so dass vor dem Betrug um die Shortnews-Preise die Projekte Shortwin und Shortbooks gegründet wurden. Beide Projekte werden oftmals in Bewertungen als pure Abzocke dargestellt. Persönliche Erfahrungen mit den Projekten habe ich nicht, ich war nie dumm genug, dafür mein Geld rauszuwerfen.

Der letzte Schrei der GoNamic-Combo ist das Projekt UseNeXT, bei dem Peer-to-Peer Usern versprochen wird, dass sie ihre gewünschten Dateien rasend schnell herunterladen können, und das anonym dazu. Stimmt natürlich alles nicht, es handelt sich dabei um einen Service, um Binaries aus dem Usenet herunterzuladen. Etwas, was schon billiger und besser gesehen wurde.
Offiziell verweist das Impressum zwar auf eine “Aviteo Ltd.” aus München, die Geschäftsführer (besser: Directors) sind aber “O. Stangl” und “A. Mihalovits”. Namen, die eine verblüffende Ähnlichkeit mit denen der shortnews-Geschäftsführer haben.

Verfassungsbrecher Schily

Unser Sheriff Nr. 1, unser Law-and-Order Spezialist hat die Verfassung gebrochen. Das ist jedenfalls die Meinung der grünen Innenexpertin Sile Stokar. So wie es aussieht, bekommt Schily wohl einen Untersuchungsausschuß reingewürgt. Wie praktisch, dass wir bald wohl eh nen neuen Innenminister bekommen.

Well - ich habe immer gesagt, dass Schily ein Verbrecher ist.

[via SPON]

Europäische Softwarepatente Teil 2

Nachdem die EU-Komission im ersten Anlauf abgewatscht wurde, was die Softwarepatente angeht, kommt jetzt wie zu erwarten der neue Anlauf. Man gibt der Sache diesmal den Namen “gewerbliche Eigentumsrechte”, und kommt quasi durch die Hintertür.

Bei Kritikern der Ausweitung der gewerblichen Schutzrechte im Softwarebereich hat die Ankündigung Alarmglocken schrillen lassen. Sie fürchten, dass Hand in Hand mit dem beim EU-Rat anhängigen Verfahren zur Schaffung eines Gemeinschaftspatentes eine Hintertür für die Softwarepatentierung aufgestoßen werden soll. “So fängt das leider immer an”, fürchtet Florian Müller, Gründer der Kampagne NoSoftwarePatents.com. “Man behauptet, es gäbe Bedarf, die Sache in Augenschein zu nehmen. Dann verschütten die Konzernlobbyisten ihre Krokodilstränen vor der Kommission, und schon heißt es, man müsse unbedingt etwas zur Rettung der europäischen Wirtschaft tun.”

Mal schauen, was daraus wird. Es ist auf jeden Fall gut, dass es weiterhin Aktivisten gibt, die aufmerksam genug sind.

[via heise online]

Ströbele hats geschafft!

Für mich als Grünen-Wähler und Ströbele-Fan eine der besten Nachrichten des gestrigen Wahlsonntags:
Christian Ströbele erreicht das Direktmandat des Wahlkreises 84 Berlin-Friedrichshain - Kreuzberg - Prenzlauer Berg Ost.

Nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis erreichte er sagenhafte 43,2 Prozent der Erststimmen, das ist sogar noch mehr als die zweitplatzierten Kandidaten von SPD und Linkspartei.PDS zusammen erzielen konnten.

So macht Demokratie richtig Spaß.
Danke, liebe Berliner. Glückwunsch, Hans-Christian!

[via Bundeswahlleiter]

P.S.: Ob mein “Erststimme Ströbele” Plakat mit Unterschrift vom Künstler Seyfried jetzt wohl an Wert gewinnt? Also für mich auf jeden Fall schon.

Fulda: CDU-Wahlhelfer bei Plakatzerstörungsaktion gefasst

In Fulda hat man zwei 39 und 22 Jahre alte CDU-Wahlhelfer bei einer Plakatzerstörungsaktion erwischt.
Der Staatsschutz ermittelt.
Die Bezirksvorsitzende sagt zwar, sie “bedauert und missbilligt das eigenmächtige Verhalten zweier Wahlhelfer klar und deutlich”, aber ob die Mißbilligung so groß ist, und ob das Verhalten wirklich eigenmächtig war, darf stark bezweifelt werden. Denn die beiden Täter waren ausgerechnet im Wagen der CDU-Geschäftsstelle unterwegs.
Und dass von einer CDU-Geschäftsstelle organisierte kriminelle Machenschaften ausgehen, wäre auch nicht das erste Mal.

Schließlich ging es gegen den bösen Erzfeind Martin Hohmann, der zu dem Vorfall auch eine Presseerklärung veröffentlich hat.

Ein interessanter Punkt an der Sache ist, dass der 22-jährige Vorsitzende der dortigen Jungen Union offensichtlich ein Mitglied der Politik-Community dol2day ist. Dort nennt der kriminelle Undemokrat sich “Monsignore” (Screenshot), und gibt sich dort als Hohmann-Hasser:

Als Vorsitzender der JUngen Union Stadtverband Fulda lehne ich die widerwärtigen und nachweislich antisemitischen Äußerungen des Fuldaer MdB Hohmann (ehemals CDU) in aller Deutlichkeit AB. Als Parteimitglied verwehre ich genauso wie als JU-Pressesprecher Hohmann die zukünftige Zusammenarbeit.
etc. etc.

Man muß schon tief sinken, um wegen Martin Hohmann Straftaten zu begehen.

APPD wählen! - Wie denn das bitte?

Die APPD Marbug inseriert im Gießener und Marburger Express, einem Anzeigeblatt: APPD wählen!

Wie soll das bitte gehen, frage ich mich? Die APPD steht ja schließlich nur in Hamburg und Berlin auf dem Stimmzettel.
Ein Blick auf die APPD-Seite verschafft Aufklärung:
Man solle entweder die APPD ankreuzen, oder auf dem Stimmzettel einfach ein zusätzliches Feld “APPD” anlegen. So einfach geht das.

Gut, dass wir das geklärt haben.

P.S.: Schade, dass die Seite der APPD Marburg im Moment nicht verfügbar ist.




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